Geschrieben von Gerd

Bahnhofsschild in Molzen von K.-D. TrögerDie Herausbildung des Familiennamens "Molzen" ist in Deutschland geographisch unterschiedlich verlaufen: Während in Schleswig-Holstein unter dänischem Einfluss die germanische, sog. patronymische Namensbildung bis in die Neuzeit erhalten blieb, die heute noch auf Island gebräuchlich ist, hat die Bildung des Familiennamens in Süd- und Mitteldeutschland eine andere Entwicklung genommen.

Von den Reichsstädten Süddeutschlands im 10. Jhdt. ausgehend und sich bis zur Reformation rasch nach Norddeutschland ausbreitend, erlangte der jüngere Zu- oder Beiname (lat. cognomen), mit dem eine Eigenschaft, der Beruf oder der Wohnort bezeichnet wurde, Erblichkeit und Übergewicht, während der ältere Personenname (lat. praenomen) zum untergeordneten Vor- oder Rufnamen wurde. Der Geschlechtsname (lat. nomen gentile) blieb nur beim Adel erhalten.

Sprachgeschichtlich sind für diese getrennte Entwicklung der Namensbildung in Norddeutschland slawische Stämme verantwortlich zu machen, die nach der Völkerwanderung ab dem 6. Jhdt. in die nach dem Auszug der Angeln und Sachsen siedlungsleeren Räume Ostholsteins und Lauenburgs bis an die Kieler Förde vordrangen und als Sprachbarriere zwischen dem nordgermanischen Sprachraum und den Sprachen süd- und westgermanischer Stämme wirkten. Die enge politische Bindung Schleswig-Holsteins an Dänemark im Mittelalter begünstigte diese Entwicklung.

Eine Erklärung für das gehäufte Vorkommen unseres Familiennamens zwischen Flensburger Förde und Schlei, aber auch südlich davon und in Niedersachsen, hier sogar als Ortsbezeichnung (Molzen bei Uelzen) ist darin zu suchen, dass der Namensstamm älteren, d.h. germanischen Ursprungs ist und bereits verwendet wurde, als der gemeinsame Sprachraum noch vom Mälarsee in Schweden bis zum römischen Limes in Süddeutschland reichte. Damit lässt sich aber auch eine Wanderungsbewegung suebisch-anglischer Stämme belegen, denen der Geograph Ptolemäus im 2. Jhdt. auf seiner Weltkarte noch Südhannover und Thüringen als ursprünglichen Wohnsitz zuweist. Das würde die Annahme stützen, dass die Keimzelle unseres Namens im südlichen Niedersachsen zu suchen ist.

Warum der Name heute in Angeln so häufig vorkommt, hängt damit zusammen, dass nach dem Auszug des größten Teils der Angeln ab 449  nach Großbritannien (Sage von Hengist und Horsa) der altangeliter Personenname in der Landbevölkerung nur dieses umschriebenen Siedlungsgebiets (unter den sog. Fußkranken) überlebt hat und als Familienname weitergegeben wurde. Unsere bäuerlichen Vorfahren haben von hier aus, durch Markgenossenschaft und Flurzwang an die Scholle gebunden - wie unsere Ahnentafel erkennen lässt - bis in die Neuzeit keine Wanderungsbewegungen ausgeführt. Dass sie sich bei Verarmung der zwangsweisen Bindung an den Boden nur durch Auswanderung entziehen konnten, beweisen die Namensträger in Nordamerika.

Es ist somit davon auszugehen, dass unser Familienname im Wortstamm germanischen Ursprungs ist und der patronymischen, d.h. vom Vatervornamen abgeleiteten Namensbildung folgt.

Der dem Familiennamen zugrundeliegende altangeliter männliche Personenname lautet M a l t e / M o l t e. Durch Anfügen der Endsilbe -s e n für M o l t e s - Sohn entstand M o l t (e) s e n. (G. Sondergaard, Lademann 1984):

In Dänemark hat sich der Name M a l t i erhalten, in Danelagen, (d.h. „den del af England, der holdtes besat af danerne, og hvor dansk lov gjaldt“ = Bezeichnung für das Gebiet in Ost- und Nordengland (Danelaw), das während des späten 9. Jhdt. von dänischen Wikingern erobert wurde und wo dänisches Recht galt ), M a l t e . In Deutschland M o l t e oder M a l t e , latinisiert m a l t o , -nis.

Ein Name, der in anderen nordischen Ländern unbekannt ist und in Dänemark hauptsächlich im jütischen Gebiet auftritt. Formen M a l t i in Nord- und M o l t i in Südjütland. Die geographischen Umstände sprechen daher für eine Anleihe aus dem Deutschen.

Der  Name wird erklärt als eine auf HELMOLD zurückgehende Bildung: eine Kurzform von H e l m -(w)a(o)l t = der Schutzbietende. Analoge Bildung von N o l t e als Kurzform von ARNOLD. (Knorr 1889) Ein Pfarrer Helmold, (Bosau am Plöner See 1120-1170) war Verfasser der berühmten Chronica sclavorum.

In einem einzigen Falle (M o l t k e Scrodere, um 1500) wechselt der Name zu M o l t(e)k e; man erklärt diese Abwandlung als Verkleinerungsform und nimmt keine Verbindung zu dem gleichlautenden Adelsnamen an.

In Dänemark ist der Name anteilig in viele Städtenamen eingegangen: Maltrup, Maltrödt, Moltrup, Moltestoft, Moltesmose, Molteshoj, Moltholm, Moltesdal, Moltesdam. (Quelle: Knudsen, Kristensen u. Hornby, Danmarks Gamle Personnavne, Kopenhagen 1941-48)

Formen:

M a l t e, im wikingerzeitlichen Danelaw Ostenglands im 9. Jhdt.
M a l l e s e n, später M o l d e s s e, Geschlechtsname in Niedersachsen, 1240.
M a l t o n i s, latinisiert, genitivisch, Zuname, Schleswig 1332.
M a l t i(s), Personenname und genit., Zuname, Nordjütland 14.Jhdt.
M o l t(e)s, Personenname und genit., Zuname, Schleswig 15. Jhdt.
M o l t(e)k e, Diminuitiv, Personenname um 1500.

Der heute nach Uelzen eingemeindete Ort M o l z e n in der Lüneburger Heide wird in alten Urkunden M a l l e s e n, später M o l d e s s e n geschrieben: Am 20.7.1240 übertrug Graf Günzelin von Schwerin den Zehnten des Dorfes M a l l e s e n, den er vom Bischof von Verden als Lehen hatte, an das Kloster von U l l e s e n. Zeugen dieser Schenkung waren u.a. ein Gevehardus von M a l l e s e n und der plebanus (Leutepriester) Werner von M a l l e s e n. Ihre Nachfolger im Besitz des gleichnamigen Dorfes schrieben sich Wepertus de M o l d e s s e n und Tileke van M o l d e s s e. (Quelle: Reimer Egge, Mallesen an der Wyperowe 1240-1990, Festschrift zur 750-Jahrfeier) . Aus den verschiedenen Schreibweisen des Ortsnamens läßt sich wiederum der germanische Personenname M a(o)l d i ableiten, der auch unter den Langobarden im alten Bardengau gebräuchlich war. Das Suffix -s e n in einer Ortsbezeichnung ist in diesem Sprachraum aber als Kurzform von -h u s e n aufzufassen, so daß der Ort als Sitz eines Edelings dieses Namens ursprünglich M a l d i s h u s e n geheißen haben dürfte.(Vgl. U l d i s h u s e n - U l l e s e n - Uelzen.)

Berühmte Namensträger: MALDRA, eigentl. MALDARIK, Suebenkönig, 5. Jhdt., MALDOMARIS, lat. Bischof von Montpellier, 9. Jhdt., MALDEFRID, Bischof von Benevent, 1045.

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